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Einige Angebote müssen ausfallen

Bereits bestehende Freiräume werden zerstört.Freiraum Petersburg

Die Jugend-Kultur-Tage verstehen sich als Forum für Jugendkultur, bei dem es darum geht Kreativität und Querdenken anzuregen und den Stellenwert von Jugend und ihrer Kultur in der öffentlichen Wahrnehmung zu stärken. In diesem Jahr steht das Thema FREIRAUM im Fokus. Leerstandnutzung in der Johannisstraße, Startfenster auf dem Neumarkt, FREIRAUM-Meile mitten durch die Stadt, der 1. Osnabrücker Longboard Contest in einer leeren Lagerhalle auf dem Hellmann-Gelände… Wunderbare Beispiele, die zeigen, dass diese Grundidee in großen Teilen funktioniert. Dass anscheinend jedoch immer noch an einigen Stellen Jugendkultur keine Wertschätzung erhält, sondern im Gegenzug sogar mit Füßen getreten wird, zeigt sich am Freiraum Petersburg. Seit einigen Jahren ist hier ein kostbares Gebilde gewachsen, das Kreativität dauerhaft Raum bietet, was es in dieser Form in Osnabrück sonst so nicht gibt. Doch die bestehenden Konflikte mit dem Grundstückseigentümer, die in den vergangenen Monaten immer wieder für Negativmeldungen gesorgt haben, sind nicht spurlos vorübergegangen. Sie gipfelten in einer Räumungsklage der Zion GmbH, auf die der Kulturverein mit einem mehr oder minder freiwilligen Rückzug antwortete.

Davon sind nun auch die Jugend-Kultur-Tage betroffen. Der Kunst-Workshop „Schwebende Recycling-Gebilde“, bei dem aus diversen scheinbaren Abfallprodukten wie Holz, Plastiktüten und Stoffen unter Anleitung von erfahrenen Künstlern Objekte entstehen sollten, ist das erste Angebote, das aufgrund der Aktion der Zion GmbH nicht stattfinden kann. Auch die Jamsession am 16.10., der „Lastenfahrradbau“ am 21.10. sowie die Einführung in den „Tango Argentino“ am 22.10. fallen diesem Handeln zum Opfer. Das ist ein herber Schlag nicht nur gegen den Freiraum Petersburg, sondern gegen Kulturschaffende in Osnabrück, freie Träger wie in diesem Fall den FOKUS e.V. und insbesondere gegen die jungen Menschen, an die sich diese Angebote richten und die hiermit in ihrer Entfaltung beschnitten werden.

Zwar wurde dem Kulturverein Petersburg von der Stadt der Ringlokschuppen als spontane Ausweichmöglichkeit angeboten. Das ist ein tolles Entgegenkommen, doch was in 5 Jahren an der Petersburg gewachsen ist, lässt sich dorthin aufgrund anderer räumlicher Voraussetzungen nicht einfach so transferieren und übergangslos fortsetzen, was sich jetzt am Ausfall dieser Angebote der Jugend-Kultur-Tage zeigt.

Die Hoffnung besteht, dass zumindest die verbleibenden Workshops „Hackspace Wurmloch“, bei dem Grundlagen des Lötens in Theorie und Praxis erlernt werden können, und das gemeinsame Gärtnern im „Gemeinschaftsgarten Querbeet“ stattfinden können, wenn auch wahrscheinlich anders als ursprünglich geplant.

Das Handeln der Zion GmbH trifft allerorts auf Unverständnis. Bei einer Protestkette, die es anlässlich des unvermeidbaren Rückzugs gab, wurde die sehr treffende Frage geäußert: „Wie stellt ihr euch das eigentlich vor?“ Zukunft für Jugendkultur sieht deutlich anders aus.


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